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Sumpf-Vergissmeinnicht, Leinzer Tiergarten, Wien, Austria ©2013 Tomoko Yamamoto

Sumpf-Vergissmeinnicht (Myosotis scorpioides), Lainzer Tiergarten, Wien, Austria © 2013 Tomoko Yamamoto

Vergissmeinnicht Von Franz von Schober
Blumenballade


Als der Frühling sich vom Herzen
der erblühten Erde riß,
zog er noch einmal mit Schmerzen
durch die Welt, die er verließ.

Wiesenschmelz und Saatengrüne
grüßen ihn mit hellen Blühn
und die Schattenbaldachine
dunklen Walds umsäuseln ihn.

Da im weichen Samt des Mooses,
sieht er halb vom Grün verdeckt,
schlummersüß, ein kummerloses
holdes Wesen hingestreckt.

Ob's ein Kind noch, ob's ein Mädchen,
wagt er nicht sich zugesteh'n.
Kurze blonde Seiden-fädchen
um das runde Köpfchen weh'n

zart noch sind die schlanken Glieder,
unentfaltet die Gestalt,
und doch scheint der Busen wieder
schon von Regungen durchwallt.

Rosig strahlt der Wangen Feuer,
lächelnd ist der Mund und schlau,
durch der Wimpern duft'gen Schleier
äugelt schalkhaft helles Blau.

Und der Frühling, wonnetrunken
steht er, und doch tief gerührt;
In das holde Bild versunken
fühlt er ganz, was er verliert!

Aber dringend mahnt die Stunde,
daß er schnell von hinnen muss.
ach! da brennt auf ihrem Munde
glühend heiss der Scheidekuss.

und in Duft ist er entschwunden.
Doch das Kind entfährt dem Schlaf,
tief hat sie der Kuß entzunden,
wie ein Blitzstrahl, der sie traf.

Alles Keime sind entfaltet,
die ihr kleiner Busen barg,
schnell zur Jungfrau umgestaltet
steig sie aus der Kindheit Sarg.

Ihre blauen Augen schlagen
ernst und liebelicht empor,
nach dem Glück scheint sie zu fragen
Was sie ungekannt verlor.

Aber Niemand gibt ihr Kunde,
alle sehen sie staunend an,
und die Schwestern in der Runde,
wissen nicht wie ihr getan.

Ach sie weiß es selbst nicht! --Tränen
sprechen ihren Schmerz nur aus.
und ein unergründlich Sehnen
treibt sie aus sich selbst heraus

treibt sie fort, das Bild zu finden.
das in ihrem Innern lebt
das ihr Ahnungen verkünden,
das in Träumen sie umschwebt.

Felsen hat sie überklommen,
Berge steigt sie ab und auf
bis sie an der Fluß gekommen
der ihr hemmt den Strebelauf.

Doch im Ufergras, dem feuchten,
Wird ihr heißer Fuß gekühlt,
Und im seinen Spiegel leuchten
siehet sie ihr eignes Bild.

sieht des Himmels blaue Ferne,
sieht der Wolken Purpurschein,
sieht den Mond und alle Sterne;
milder fühlt sie ihre Pein.

Denn es ist ihr aufgegangen:
daß sie eine Seele fand,
die ihr innigstes Verlangen,
ihren tiefsten Schmerz verstand.

Gern mag sie an dieser Stelle
sich die stille Wohnung baun,
der verklärten sanften Welle
kann sie rückhaltslos vertrau'n

und sie fühlt sich ganz genesen
wenn sie zu dem Wasser spricht,
wie zu dem geahnten Wesen:
O vergiß, vergiß mein nicht!

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Letzte Actualisierung: 22. April, 2014